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500 Jahre Bachfischet: Was Luzern von Aarau lernen kann

2028 blickt Luzern auf 850 Jahre Stadtgeschichte zurück. Zeit, über die Kantonsgrenze hinauszuschauen: Wie feiert eine Stadt einen jahrhundertealten Brauch, ohne ihn ins Museum zu stellen?

500 Jahre Bachfischet: Was Luzern von Aarau lernen kann

Aarau liefert am Freitag, 18. September 2026, eine leuchtende Antwort. Der Bachfischet feiert sein 500-Jahr-Jubiläum.

 

 

 

 

 

 

Ein Brauch rund um das Wasser

Der Bachfischet ist ein traditionsreicher Aarauer Brauch. Die Reinigung des Stadtbachs wurde 1526 erstmals urkundlich erwähnt. Der Bach versorgte die Bevölkerung früher mit Trink-, Brauch- und Löschwasser. Zudem lieferte er Wasserkraft.

 

Für die jährliche Reinigung wurde der Stadtbach bis ins Jahr 2000 trockengelegt. Früher fingen Kinder dabei die zurückgebliebenen Fische und Krebse. Wenn das Wasser wieder floss, wurde es feierlich empfangen.

Zu dieser Tradition gehörten auch kleine Holzschiffchen mit Kerzen, welche die Kinder auf dem wieder fliessenden Bach treiben liessen. Später bastelten die Schülerinnen und Schüler Lampions und befestigten sie an langen Ruten.
Bis heute stehen die Kinder im Mittelpunkt des Bachfischets.


Wenn Aarau das Licht löscht

Kurz nach 20.15 Uhr wird es in der Altstadt dunkel. Geschäfte, Haushalte und Liegenschaften sind aufgefordert, sichtbare Lichter, Schaufensterbeleuchtungen und Leuchtreklamen auszuschalten.
Die Teilnehmenden versammeln sich mit ihren Lampions an der Bachstrasse, wo der Stadtbach offen durch das Quartier fliesst. Musik klingt vom Obertorturm über die Dächer. Dann kündigen die Tambouren den Umzug an.

Wenig später zieht ein leuchtendes Band durch die Gassen. Die selbst gebastelten Lampions schaukeln über den Köpfen der Kinder. Einige sind klein und fein gearbeitet, andere so gross, dass sie über der Menschenmenge zu schweben scheinen.

Vom Kindergarten bis zur Bezirksschule erklingt der traditionelle Vers:
    
    «Fürio, de Bach brönnt,
    d’Suhrer händ ne azündt,
    d’Aarauer händ ne glöscht,
    d’Chüttiger rite uf de Frösch.»
    
    
Die Stimmen der Kinder hallen durch die dunkle Altstadt.

 


Das Rüebli fällt um

Auch der Aarauer Rüeblimärt, der 1981 erstmals stattfand, ist zu seinem 45-Jahr-Jubiläum im Umzug vertreten. Viele Kilogramm Rüebli werden verteilt. Mitten im Zug läuft zudem ein grosses, leuchtendes Rüebli mit.

Dann passiert es.

Mitten in der Rathausgasse fällt das Rüebli um.

Ein Raunen geht durch die Menge. Helfende Hände greifen zu. Kurz darauf richtet sich das Rüebli wieder auf und setzt seinen Weg fort. Das Publikum klatscht.

Wir haben den kleinen Zwischenfall im Video festgehalten. Es ist ein ungeplanter Moment. Aber 
gerade solche Augenblicke bleiben von einem grossen Fest in Erinnerung.

 

 


Musik, Lampions und Feuerwerk


Der Umzug führt durch die Halde in Richtung Maienzugplatz und Schachen. Dort werden die Schulkinder mit Hörnli und Gehacktem sowie einer vegetarischen Variante verpflegt.
Einige Kinder nehmen ihre Lampions anschliessend mit nach Hause. Andere Laternen werden verbrannt oder später in Aarauer Schaufenstern ausgestellt.
Zum Jubiläum folgt eine musikalische Überraschung: Ein Jugendchor aus dem Gönhardschulhaus und die Big Band Aarau präsentieren unter der Leitung von Rafael Baier einen Bachfischet-Song, den Deep-Purple-Bassist Roger Glover eigens für das Jubiläum komponiert hat.

Dann beginnt das Feuerwerk. Die Big Band spielt live weiter. Und wer genau hinschaut, entdeckt zwischen den Farben am Himmel vielleicht sogar die Frösche aus dem alten Bachfischet-Vers.

Eine Idee für Luzerns Stadtjubiläum

Der Bachfischet zeigt, was einen lebendigen Brauch ausmacht: Kinder gestalten ihn mit, die Bevölkerung trägt ihn mit, und die Geschichte wird nicht nur erzählt, sondern gemeinsam erlebt.

Vielleicht liegt genau darin eine Inspiration für Luzern und das Jubiläumsjahr 2028. Das Stadtjubiläum könnte nicht nur auf Bühnen oder in Ausstellungen stattfinden. Auch Schulen, Quartiere, Vereine und Zünfte könnten eigene Bilder, Lichter und Rituale entwickeln.

Und wer weiss: Vielleicht tanzen die Wirri-Frösche 2028 am Fasnachtsumzug der Wey-Zunft, wenn Luzern sein 850-jähriges Bestehen feiert.
Zäme fiire.



 


 

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